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Wajeze

Torah: 1. Mose 28:10–32:3; Haftara: Hosea 12:13–14:10; Brit Chadascha: Johannes 1:19–51, Offenbarung 3:14–22
(Angaben nach „Die Tora nach der Übersetzung von Moses Mendelssohn“ und David Stern)
[Autor: Jurek Schulz]

Wajeze – Und er zog aus

Jakob sieht sich gezwungen, das Haus seiner Eltern zu verlassen, um der Wut seines Bruders zu entgehen. So war er auf der Flucht vor Esau nach Haran.

In einer nächtlichen Vision bekommt er von G’tt Beistand und Hilfe versprochen.

Das besondere an der Vision, die er während einer Übernachtung unter freiem Himmel hatte, in der als Kopfkissen ein Stein diente, war, dass G’tt („Jahwe“, alte Schreibweise „Jehova“) ihm auf einer „Himmelsleiter“ erschien und mit ihm sprach. G’tt verhieß ihm Nachkommen so zahlreich wie der Staub auf Erden und Segen für alle Menschen durch seine Nachkommen und das Land, darauf er liegt. G’tt will lebenslang Jakob leiten und behüten (1. Mo 28:14ff).

Wie reagierte Jakob auf diese großartige Verheißung? Er wurde nicht übermütig, sondern baute ein Denkmal und benannte den Ort der Vision, „Beit El“, Haus G’ttes, und versprach sogar den zehnten Teil seines Besitzes an das Haus G’ttes zu geben (1. Mo. 28,19ff).

Es folgten 20 mühsame Jahre der Arbeit bei seinem Onkel Laban. Laban betrog ihn immer wieder in allen Bereichen. Nach den ersten sieben Jahren bekam er Lea, statt Rahel, die er liebte,  zur Frau, oder auch als es um den Lohn für seine Arbeit ging.  In dieser Zeit war Jakob herausgefordert, an seinem Bekenntnis und an G’ttes Zusage festzuhalten. In dieser Zeit sind ihm 13 Kinder geschenkt worden und er wird sogar ein vermögender Mann. Ein sichtbares Zeichen der Fürsorge G’ttes.

G’tt lehrte ihm, den richtigen Weg zwischen den Extremen zu gehen, entweder sich selbst mit Gewalt Recht zu verschaffen oder alles Unrecht einfach hinzunehmen. Erst als G’tt ihm sagte, er solle Laban verlassen, zog Jakob mit seiner großen Familie und seiner Herde weg.

Dass G’tt an seinen Verheißungen festhält, zeigt sich auch im Abschnitt bei Hosea. G’tt reagiert zwar mit Gericht auf Israels Götzendienst, aber sein eigentlicher Wunsch ist es, dass sein Volk sich zu ihm bekehrt, damit er seine Abtrünnigkeit heilen kann. Sein Wunsch ist, dass die Menschen einsehen, dass „die Wege des Herrn richtig sind“ (Hos 14:10). Bedenken wir: Auch wir sind jeden Tag herausgefordert, auf G’tt zu hören und uns von ihm den richtigen Weg zeigen zu lassen!

Meine Barmherzigkeit ist entbrannt, sagt G’tt zu Israel (Hos 11:8).

Ein wunderschönes Bild. In seiner Liebe trägt G’tt Israel durch alles hindurch.  Das hat Jakob in den 20 Jahren seines Exils ebenso erlebt.

So preist er G’tt im Wissen seiner Armseligkeit: „Herr, ich bin zu gering aller deiner Barmherzigkeit und Treue“ (1. Mo 32:11).

In Zeiten von Not und Sünde wird oftmals die Barmherzigkeit G’ttes vergessen. Daher ruft Hosea auf: „Halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe auf den Herrn“ (Hos 12:7).

Doch Schuld und Sünde stürzten Israel immer wieder ins Unglück (Hos 13:9). Auf dieser Linie ist das Wirken Johannes des Täufers zu verstehen.

Er begreift die Schwere der Sünden Israels, aber auch seine eigene Armseligkeit vor dem wahren barmherzigen G’tt (Joh 1:27).

Wer ist dieser wahre G’tt, der trotz allem an seiner Barmherzigkeit festhält?

Es ist der, der zum Schlachtopfer für die Sünden der Welt wurde, das Lamm G’ttes, das die Schuld der Welt trägt (Joh 1:29).

Es ist der, von dem sowohl Johannes der Täufer als auch Natanael öffentlich bekennen: „Du bist der Sohn G’ttes!“ (Joh 1:34.49).

Es ist der, vor dem wir alle armselig, elend und jämmerlich dastehen, unabhängig davon, was wir in dieser Welt sind (Offb 3:17).

Es ist der, dessen Name im neuen Jerusalem alles erstrahlen wird (Offb 3:12).

Er steht vor unserer inneren Herzenstür und klopft an: „Wenn jemand meine Stimme hört und mir auftut, zu dem werde ich hineingehen“ (Offb 3:20).

Jesus Christus, G’ttes Sohn, er ist der Barmherzige!