In diesem Seminar am 16.11.2024 wurden von Jurek Schulz u. a. folgende Themen behandelt:
- Chancen der Einheit von messianischen Juden und Christen für die Gemeinde
- Aktuelle Situation in Israel und Blick auf den Antisemitismus der Jahrzehnte in der Welt
Zur Einführung hat Jurek Schulz eine Auswahl von messianischen Verheißungen aus der Bibel vorgestellt, die unten aufgeführt werden.
Vorab hat er das Zitat von René Pache, dem ehemaligen Direktor der Emmausbibelschule, genannt: „Das Hauptereignis, das die Propheten ankündigen, ist nicht das Weltgericht, nicht die Wiederherstellung Israels, nicht einmal der Sieg der Gemeinde. Es ist das Kommen des Sohnes Gottes in Herrlichkeit“.
Das Kommen und die Geburt des Messias sind vielfach durch die Propheten angekündigt worden. Als Beispiel dient uns Daniel. Der Messias sollte das Heil für Israel und die Nationen bewirken. In Eph 1:11-14 sieht Paulus es als erfüllt an.
Kommen wir zu den angekündigten messianischen Verheißungen:
Dan 2:34-35 |
Das messianische Königreich kommt unscheinbar und erfüllt die Erde. |
Dan 2:44-45 |
Das messianische Königreich herrscht ewiglich. |
Dan 7:13-14 |
Der Messias (Menschensohn) kommt mit den Wolken und wird ewig herrschen. Die Völker werden ihm dienen. |
Dan 7:18 |
Die Heiligen werden mit dem Messias das Reich in Empfang nehmen. Sie werden mit ihm in Ewigkeit sein. |
Dan 7:22 |
Die Heiligen werden das Reich richten und es in Besitz nehmen. |
Dan 7:27 |
Alle Mächte unter dem Himmel werden dem Messias dienen. |
Dan 9:25-26 |
Der Tod des Messias und die Zerstörung des Tempels werden angekündigt. |
Dan 10:5-6:18 |
Die Heiligkeit und Herrlichkeit des Messias trägt das Aussehen eines Menschen. |
Dan 12:1-3 |
Der Messias wird durch den Engel Michael sein Gericht auf der Erde ausüben. Die Gläubigen werden zu ewigem Leben auferstehen. Die Gläubigen, die anderen Gott näher brachten, werden besondere Herrlichkeit genießen. |
*siehe „Die messianischen Verheißungen im Tenach“ (https://mstudien.de/buecher)
Auf der einen Seite beziehen sich viele Texte auf Israel, aber wir wollen nun auch einige Texte benennen, die sich auf die Heiden beziehen und damit die Einheit beschreiben, die prophetisch angekündigt wird.
Jes 56:6-9 Nichtjuden kommen zum Glauben an den Gott Israels, feiern mit Israel den Schabbat und halten den Bund Gottes. |
Sach 14:16 Bei der Ankunft des Messias feiern die Nationen zusammen mit Israel das Sukkotfest (Laubhüttenfest). |
Sach 8:20-23 Die Nationen erkennen, dass Gott mit Israel ist und wollen mit Israel zusammen sein. |
Es entspricht dem Willen Gottes, dass Juden und Nichtjuden gemeinsam in der Nachfolge des Messias stehen. |
Jes 60:2f … siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht. |
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Ich bin das Licht der Welt. (Joh 8:12) |
Wir haben weiterhin über Römer 11:13-24 nachgedacht. Eine gute Sicht gibt es im Buch „Paulus – Jude mit Mission“ von Guido Baltes, das wir hier zur Vertiefung empfehlen wollen.
Wie hatten Juden ihr Wissen über den Tenach genutzt und was geschah durch das Wirken des Messias in Jerusalem? Der Messias (hebr. Jeschua, griech. Jesus) hatte seine Jünger (Juden) um sich gesammelt und sie für ihre Einsätze gelehrt.
Nun waren nach einer Zeit die Jünger nach dem Tod des Messias aktiv geworden. Durch das Wirken unter den Juden breitete sich die frohe Botschaft aus (siehe Sendungsauftrag nach Mt 28:19; siehe auch Apg 1:8).
Eine Erweckung bricht sich Bahn:
Apg 2:41 3000 Juden kamen in Jerusalem zum Glauben. |
Apg 2:47 Täglich kamen weitere Juden hinzu. |
Apg 4:4 Die Gemeinde wuchs auf 5000 gläubige Männer! |
Apg 5:14 Eine nicht zählbare Masse von Männern und Frauen kamen zum Glauben an Jeschua rund um Jerusalem, |
Apg 6:7 Die Zahl der Nachfolger Jeschua in Jerusalem wurde überaus groß, ebenso viele Tempelpriester kamen zum Glauben an Jeschua. |
Apg 12:24 Das Wort Gottes breitete sich auch in Kleinasien unter den Juden dynamisch aus. |
Apg 13:42-49 Fast die ganze Stadt Antiochia in Pisidiens (Kleinasien) hörte das Wort Gottes. Viele kamen dort zum Glauben. |
Apg 14:1 Eine große (nicht mehr zählbare) Mengevon Juden und Nichtjuden in Ikonion (Kleinasien) erkannten in Jeschua den Messias. |
Apg 17:4 Das Wort wurde auch von vielen der angesehensten Frauen (in Beröa) angenommen. |
Apg 21:20 Zehntausend mal zehntausend Juden wurden an Jeschua gläubig (Myriaden, d. h. nicht mehr zählbar; teilw. viele Tausende). |
Apg 21:20 Sie bleiben „Eiferer“ in der Tora, d. h. sie lebten weiterhin jüdisch. |
Sie bildeten die eine Gemeinde. |
Apg 25:8; 28:17 Paulus lebte ebenso weiter in der Tradition der Väter. |
Wer in der Nachfolge Jeschuas steht, hat Vergebung seiner Schuld und Erneuerung seines Lebens erfahren. Er ist unterwegs, der Wiederkunft Jeschuas entgegen. Es gibt keine Gegensätze.
Jerusalem ist die Stadt des auferstandenen und wiederkommenden Messias, König, Jeschua haMaschiach (Jesus, der Christus).
Das Gebet des Messias um die Einheit (Joh 17:11,21-23) seiner Nachfolger ist ihm wichtig. Es ist ergreifend wie Jeschua insgesamt fünfmal den Vater im Himmel bittet, dass die Gläubigen eins, eine Einheit, sein sollen.
Hat er prophetisch geahnt, wie groß die Spaltungen seiner Gemeinde in Zukunft werden würden?
… er (Jesus) ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht hat …, damit er in sich selber aus den zweien einen neuen Menschen schaffe …
… er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.
(Eph 2:14.15.17.18)
Im weiteren Verlauf haben wir über die Zentren der Gläubigen gesprochen. Der Zionsberg war eines der Zentren bis zur Zerstörung Jerusalems. Kapernaum war ein Zentrum bis ins 6. Jahrhundert.
Anschließend war eine Betrachtung der fast 500 allein in Israel registrierten christlichen Konfessionen wichtig. Es gab also im Laufe der Zeit sehr viele Strömungen in der christlichen Kirche. Das hatte enorme Auswirkungen auf die von Jeschua erbetene Einheit vom Vater im Himmel.
Der Zustand hat sich bis heute nicht verbessert und viele Probleme mit sich gebracht.
Wir überspringen einen großen Zeitraum bis in die heutige Zeit, ohne die vielen Probleme der Einheit aus dem Zeitraum genauer zu benennen.
In den letzten Jahrzehnten ist die messianische Bewegung in Deutschland gewachsen. Begonnen hatte sie in den 90er Jahren ganz klein. Heute gibt es schon in Deutschland mehr als 40 Gemeinden. Eine historische und religionssoziologische Untersuchung hat Stefanie Pfister unter „Messianische Juden in Deutschland“ veröffentlicht.
Die messianische Bewegung könnte das fehlende Bindeglied zwischen Kirche und Synagoge sein, der Anfang prophetischer Erfüllungen, der Vereinigung von Juden und Nichtjuden als Nachfolger Jeschuas.
Die Arbeit von amzi (Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel) setzt sich für die Verständigung und das Miteinander der doch sehr unterschiedlich geprägten Menschen in Israel ein. Wir haben uns einige Beispiele und Berichte der Versöhnungsarbeit zwischen jüdischen und arabischen Messias-Gläubigen angesehen und besprochen.
Die Verheißung „Gott überwindet den Hass“ haben wir uns an folgenden Bibelstellen angesehen:
- Sach 9:6-7 Die Palästinenser werden IHN erkennen
Im Text geht es um fremde Herrscher und Gesindel, deren Hochmut bestraft wird, aber auch eine Reinigung stattfinden kann. Damit würden auch die Gereinigten G’tt und seinen Heilsplan sowie den Messias Jeschua erkennen. Zu „Ekron wie der Jebusiter“ siehe auch 2. Sam 11; Jebusiter, ursprünglich Feinde Israels, gingen später in Israel auf. - Jes 19:23-25 Ägypten, Syrien (Assyrien) und Israel werden IHN erkennen
- Ps 87:3-4 Die Völker um Israel werden IHN erkennen
Raab (poet. für Ägypten) und Babel (Babylon) waren einst mächtige Feinde Israels. Philistäa, Tyrus und Kusch (Äthiopien/Nubien) stehen für Völker, die historisch oft gegen Israel standen. Die „mich kennen“ – also G’tt erkennen, gehören zu seinem Volk.
Diese Stellen drücken aus, dass ehemals mächtige Feinde und feindliche Völker in Gottes Volk (Zion) aufgenommen werden können. Das gilt für die Völker um Israel herum, aber auch für alle Völker der Erde. Alle Menschen, die G’tt und den Heilsplan sowie den Messias in Jeschua erkannt haben und anerkennen, werden als Bürger Zions hinzugefügt. Das wird besonders durch „dieser ist hier geboren“ (Ps 87:6) ausgedrückt (mehr siehe auch Joh 3:3, Gal 3:28, Jes 49:6).
Was können wir tun?
- Treten wir in Wort und Tat für die Anliegen der jüdisch-messianischen Bewegung ein.
- Treten wir in Wort und Tat gegen jede Form von Antisemitismus, auch den christlichen Antisemitismus, auf.
- Die frohe Botschaft Jeschuas ist von Juden in die Welt ausgegangen und nun kehrt die Botschaft zu den Juden wieder zurück. Beten wir darum, dass noch viele ihren Messias erkennen.
- Beten wir darum, dass noch viele Juden in der jüdisch-messianischen Bewegung eine geistliche Heimat finden.
Ergänzungen für Interessierte:
Wir konnten die angesprochenen Dokumente, die wir im Seminar genutzt haben, nicht aushändigen, sie stehen allerdings öffentlich zur Verfügung.
- Geschichte der evangelischen Gemeinde Theresienstadt 1942–1945 ist als Dokument hier (Uni Gießen) einzusehen und herunterzuladen.
- Die internationale Allianz zum Holocaustgedenken (IHRA) ist ein wichtiges Thema. Die IHRA–Definition steht hier und die Arbeitsdefinition von Antisemitismus finden Sie hier. Auch der Zentralrat der Juden hat auf seiner Seite Informationen bereitgestellt.
- Es gibt eine 3D-Regel zum israelbezogenen Antisemitismus. Der Antisemitismusbeauftragte hat hier auf den Bundeseiten seine Informationen bereitgestellt. Auch hagalil.com berichtet über den 3-D-Test.