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Lech Lecha

Torah: 1. Mose 12:117:27; Haftara: Jesaja 40:2741:16; Brit Chadascha: Apostelgeschichte 9:111; Römer 4:125; Ergänzung zur Haftara: Matthäus 811
(Angaben nach „Die Tora nach der Übersetzung von Moses Mendelssohn“ und David Stern)
[Autor: Jurek Schulz]

Lech Lecha– Zieh hin!

  1. Die Berufung Abrahams als Wendepunkt (1Mo 12:1-3):
  1. 1.Mo 12:1 — Abraham wird in einem nicht gerade jungen Alter (vgl. 12:4) herausgefordert: „Verlass alles…“ Das hebräische Wort „Lech lécha“ beinhaltet noch mehr, es bedeutet „geh für dich” oder „um deiner selbst willen geh“. Nur noch einmal kommt das Wort in Gen. 22,2 im Zusammenhang mit Isaak vor.
    Übrigens kommt er aus Ur in Chaldäa. Es ist das Zweistromland, wo heute der Iran und Irak sich befinden. Dort wurde das erste Weltreich unter Nimrod aufgebaut, 1.Mose 10:8-12; 1.Mose 11:27-31;
    Durch Abraham soll etwas ganz neues anfangen. Gott beginnt mit ihm einen außergewöhnlichen Weg des Vertrauens.

  2. 1.Mo 12:2-3 — Abraham wird eine große Nachkommenschaft zugesagt als er bereits 75 Jahre alt war und Sara 65 Jahre, unfruchtbar und bisher kinderlos. Eine unfassbare Verheißung, aus Abraham ein großes Volk entstehen zu lassen. Das Wunder geschieht. Der Sohn der Verheißung, Isaak, kommt als Abraham 100 Jahre alt ist und Sara 90 Jahre.
  3. 1.Mo 12:2-3 — Abraham soll göttlicher Segensträger sein.
    Was beinhaltet der ihm versprochene Segen? Auf wen ist der Segen
    ausgerichtet?
  1. Der Segen für Abraham selbst und seine Nachkommen
    – enthält die Verheißung von Volk und Land
    – zusätzlich geistlicher Segen für die Nachkommenschaft (vgl. 1Mo 17)
  1. Der Segen durch Abrahams Nachkommen für die ganze Welt
    Geistlicher Segen: geistliche Wiederherstellung (Vergebung) der Menschheit, schließlich vollbracht durch Christus.

    Materieller Segen: Wiederherstellung der physischen Existenz des Menschen und seiner Umgebung zur Vollkommenheit vor dem Sündenfall (vgl. Röm 8:18-23)

Beachte zu dieser Verheißung an Abraham auch die Ausführungen von Paulus in Galater 3:16-18. Es ist von wesentlicher Bedeutung, das aus dem „Sohn der Verheißung“ der Messias kam, als DER Nachkomme Abrahams 1. Mose 22:18.

 

2. Der Bund mit Abraham und das Bundeszeichen (1 Mo 15:1-21)

Das hebräische Wort für Bund ist „berit“. Es kommt im Tanach (AT) 286 mal vor. „Bund“ ist keine wörtliche Übersetzung von „berit“., sondern eher eine Umschreibung. Man kann auch von einem „Vertrag“, einer „Abmachung“ oder einer „Stiftung“ sprechen. Bündnisse sollten das Alltagsleben zwischen Völkern oder einzelnen Menschen regeln (so wie heute auch noch). Das Ergebnis eines Bundes sollte ein friedliches und geordnetes Zusammenleben sein, wo jeder sich an die Vereinbarungen hält. Ein Bund wurde in der Regel unter Eid vor Gott (oder einer Gottheit) geschlossen, wobei Gott dabei zum Zeugen angerufen wurde. Deshalb galt der Bund als heilig. Seine Übertretung war damit auch ein Verschulden Gott gegenüber und forderte seinen Zorn heraus (vgl. 1Mo31:50+53; Amos 1:9).

Nun tritt Gott selber auch als Bundespartner auf. Er geht mit dem Menschen eine Verbindung ein. Die Propheten verstanden Gottes Bund mit Israel zunehmend als Gnadenbund, denn obwohl Israel seinen im Bund übernommenen Verpflichtungen nicht nachkam, hat Gott daran festgehalten. Der Mensch, das zeigt sich darin, ist rechtlich gesehen kein gleichwertiger und geeigneter Bundespartner für Gott. Aber wenn Gott ihm dennoch seinen Bund zusagt und hält, so zeigt das deutlich, dass der Gottesbund von Gnade, Barmherzigkeit und Treue getragen wird – und dass Gott gerade dass Israel und den Menschen überhaupt zeigen möchte.

 

    1. Die Verheißung des Lohnes (15:1-3) — die Verheißung des Lohnes ist wertlos und vergänglich für Abrahams Familie ohne einen leiblichen Erben.
    2. Die Verheißung eines Erben (15:4-6) — Gottes Lösung: Er wird Abraham einen leibli­chen Erben geben, als ersten Schritt der Erfüllung Seiner Nachkommenschaftsver­heißung. Abraham glaubt Gott.
    3. Die Verheißung des Landes (15:7-8) — Gott erneuert die Landverheißung, und Abraham bittet um ein Zeichen für die Erfüllung (Diese Bitte ist nicht Ausdruck des Zweifels).
    4. Weitere inhaltliche Schwerpunkte in Vers 12-16:
      – Die Zukunft von Abrahams Nachkommen
      Der Aufenthalt in Ägypten gehörte zu Gottes Plan und war keine Strafe (vgl. 1Mo 45:4-8; 46:2-4)
      – Die Ägypter sollen gerichtet werden, Israel soll gesegnet werden (vgl.12:3)
      – Abrahams Zukunft — ein erfülltes Leben und ein friedlicher Tod

 

3. Der Vollzug des Bundesschlusses (1Mo 15:9-17) — Gottes Garantie

  1. Es gab in der Zeit Abrahams unterschiedliche Arten, einen Bund zu schließen und rechtlich für beide Seiten festzumachen. Drei Arten finden wir in der Bibel. Alle drei Arten wurden als bindend angesehen. Der dritte Typ galt als der gewichtigste.
    1. mit einem Schuh (vgl. Ruth 4:7) — dieses Zeichen war auch auflösbar.
    2. mit Salz (vgl. Num.18:19; 2 Chr 13:5) — weniger leicht aufzuheben.
    3. mit einem geteilten Tier bzw. Blut (vgl. 1 Mo 15:9-11+17-18; 2 Mo 24:5-8; Jer 34:12-20) – absolut unauflöslich! Denn das Tier kann nicht wieder zusammengesetzt werden.

 

  1. Gott wählt für seinen Bundesschluss mit Abraham die juristische Form des „geteilten Tieres“. Das bedeutet das “Schneiden” des Bundes (15:17) — vgl. Jer 34:18-19: diese Praktik wurde demnach noch ca. 1500 Jahre nach Abram angewendet!  Sie bedeutet: „Möge das gleiche mit mir geschehen, wenn ich meinen Schwur und mein Gelöbnis nicht halte.“

a. Bei Bundesschlüssen mit zwei gleichberechtigten Partnern gehen beide Vertragspartner zwischen den Tierhälften hindurch.
b. Hier geht nur Gott hindurch, symbolisiert durch „Gegenstände“ (vgl. 2Mo 13:21f).
Daraus folgt: Gott ist nur gebunden; der Bund ist einseitig und ohne Bedingungen für Abraham. Die Verheißung von 1Mo 12 wird jetzt durch einen Schwur bekräftigt (vgl. Hebr 6:17f).

Daraus folgt: Gott ist nur gebunden; der Bund ist einseitig und ohne Bedingungen für Abraham. Die Verheißung von 1Mo 12 wird jetzt durch einen Schwur bekräftigt (vgl. Hebr 6:17f).

Zu beachten: Gott passt sich der Kultur und Zeit Abrahams an. Diese Form von Bundesschluss versteht Abraham. Es ist, wie wenn wir heute für eine notarielle Beurkundung zu einem Notar gehen.

 

4. Die Grenzen des mit dem Bund verheißenen Landes (15:18-21)

Gott verheißt Abraham und seinen Nachkommen ein ganz bestimmtes Staatsgebiet. Die Grenzen des Landes werden auf zwei verschiedene Weisen beschrieben:

    1. topographisch[1]: vom Euphrat bis zum „Bach Ägyptens“ (wahrscheinlich Wadi El Arisch) (vgl. 4. Mose 34:1-12)
    2. demographisch: nach den Völkern, die vertrieben werden sollen. Die Ursache des Gerichtes über die Völker war ihr Götzendienst. 5.Mose 1:30, 5.Mose 20:16-18; 31:3, Jos,1:2-6; Jos.10:14;

 

5. Das Zeichen des Bundes (1Mo 17:1-27)

  1. Inhaltliche Zusammenfassung des Bundes (17:1-8)
    Nach dem juristischen Bundesschluss mit Abraham gibt Gott noch ein bleibendes, sichtbares Zeichen, das an den Bund erinnern soll. Auch jetzt kommen noch einmal Einzelheiten über den Inhalt zum Ausdruck. Welche Aspekte sind schon bekannt und welche sind neu?
    1. Bekannte Aspekte: Land und Nachkommenschaft werden bestätigt mit leichter Erweiterung (viele Völker, nicht nur eins).
    2. Neue Aspekte: Art des Segens = geistlich: eine besondere, persönliche und nationale Beziehung zu Gott (“mit dir und deinen Nachkommen“)
  2. Das Zeichen des Bundes: Die Beschneidung (17:9-11)
    1. Das Bundeszeichen wird beschrieben. Wozu braucht es eigentlich ein Bundeszeichen? Es ist ein Zeichen der Gemeinschaft mit Gott.
      1. Der Vollzug der Beschneidung als Bundeszeichen ist Ausdruck von Treue und Gehorsam Gott gegenüber. Dann ist die Beschneidung auch ein Erkennungszeichen des Bundes. Beschneidung und Bund sind nicht zu trennen: Identität (v 10); Zeichen (v 11).

 

  1. Die Bundespartner (17:12-22)
    1. Gehört nun jeder, der beschnitten ist, zum Bund und ist Bundespartner Gottes? Nach diesem Text wird die Gruppe der Bundespartner deutlich eingegrenzt. Wer gehört dazu? Welche Volksgruppe ist gemeint?
      Der Bund wurde geschlossen mit den Nachkommen Abrahams und Isaaks als Volksgruppe, das heißt: mit dem Sohn der Verheißung! Beschneidung ist die absolute Bedingung für die Identifikation mit dieser Gruppe – aber nicht die Begründung des Bundes. Ein unbeschnittener Mann wird nicht als Mitglied dieser Gruppe angesehen. Die Verantwortung für diesen Akt der Identifikation liegt bei dem Haushaltsvorstand (vgl. 17:22-27) und entsprechend fällt das Gericht auf den verantwortlichen Erwachsenen (17:14; vgl. 2Mo 4:24-26).
    2. Nach 1 Mo 17,23-27 war Abrahams Sohn Ismael der erste, der aufgrund der Anweisung Gottes beschnitten wurde. Was ist mit ihm und seinen Nachkommen? Warum gehört er als Abrahams Sohn und mit der Beschneidung nun doch nicht zum Bund? (Vergleiche dazu auch Galater 4,21-31).
    3. Was bezweckt Gott eigentlich mit einem Bundesvolk? Will er eine Elite heranziehen?

 

7. Die Weitergabe des Bundes

    1. Die Bundeslinie

      Gott verfolgt mit dem Bundesschluss eine ganz bestimmte Linie.
      Er will mit der leiblichen Abstammung Abrahams und der Beschneidung keinen rituellen Automatismus, sondern er bestimmt, in welcher Linie der Bund weitergegeben werden soll.

      Das heißt: Er selbst legt weiterhin die Linie der eigentlichen Bundespartner und damit des Bundesvolkes fest. Nicht einfach jeder Nachkomme Abrahams und nicht einfach jeder Beschnittene gehört in die Bundeslinie und zum Bundesvolk Gottes.

      Bedenke: In 1Mo 22:18, das Paulus in Galater 3:16 aufnimmt, zeigt sich die Tiefe Absicht und das Ziel Gottes mit diesem Bundesschluss. Was ist es? Es weist auf das Kommen des Messias hin“!

       

    2. Der Bundesschluß mit Isaak (1Mo 17:19-21; 21:12; 26:3-4)

      ** Nicht mit Ismael (dem zuerst geborenen Sohn Abrahams und nach der Anweisung Gottes der zuerst beschnittene Nachfolger). Ismael ist nach dem Islam der Stammvater des arabischen Volkes.

      ** Nicht mit den Nachkommen der Ketura

      Bedenke: Ist mit Ismael nur das arabische und mit Isaak nur das jüdische Volk gemeint? Paulus betont noch eine andere theologische Linie in Galater 4:21-31 und in Römer 9:6-8. Was bedeutet das heute in der Begegnung mit dem arabischen und jüdischen Volk? Israel ist das Volk der Verheißung. Ismael bekommt als leiblicher Nachkomme gesonderte Verheißungen, die zu unterscheiden sind.

      Befasse dich mit seiner fünffachen Prophetie: 1. Mose 16:12; 21:13.17;
      Isaak wird als „Kind der Verheißung“ zum Segenträger aus dem der Messias entstammte

       

    3. Der Bundesschluß mit Jakob (1Mo 28:13-15; 35:9-12; Mal 1:2-5)

      Nicht mit Esau (Edom, vgl. Hes 35-36), obwohl er der Ältere und eigentlich erbberechtigt war.

      Über die Linie Isaak und Jacob entsteht das Volk dem die Landverheißung zugesagt wird und über dem Gott spricht: Ich hab euch lieb.

      Weil nun das Volk einen Titel bekommt: „Israel“ (Gott streitet, kämpft für dich) wird deutlich: Das Bundesversprechen Gottes wird nur durch dieses Volk umgesetzt werden, da es dazu erwählt wurde.

    4. Der Bundesschluß mit dem ganzen Volk  – Israel – (2Mo 6:2-8)

      Jetzt wird nicht nur ein Sohn herausgenommen – die Verheißung und der Bund gehen auf alle Nachkommen Jakobs (Israel) über. (Später folgt noch ein neuer bzw. erweiterter Bundesschluss durch den „Thorabund vom Sinai“ für das Volk Israel).

      Hier ist festzuhalten wie Gott seine Wahl bestätigt: Die Hand zum Schwur erhoben sagt er: Ich nehme Euch als mein Volk an, V. 8.

 

8. Der Abraham-Bund im Neuen Testament

Der Abraham-Bund ist die juristische Grundlage des persönlichen Handelns Gottes für die Erlösung der Menschheit. Er wird deshalb gerade auch im Neuen Testament erwähnt. Wie wird er von den Zeugen des Neuen Testamentes gesehen? Welche Schwerpunkte sind zu erkennen?

Apostelgeschichte 3:25-26: Für Euch hat Gott seinen Messias gesandt, euch zu segnen, weil ihr ein Segen auf der Erde sein sollt.

Römer 4:1-12 Abrahams Glaube wirkte ihm zur Gerechtigkeit, als er noch unbeschnitten war. Dadurch wurde er zum „Vater der Glaubenden“ aus beschnittenen und unbeschnitten Gläubigen, die in Gott ihre Gerechtigkeit durch Glauben erlangten und nicht durch Werke.

Römer 9:1-8 Israel, aus der „Verheißung Gottes“ entstanden, gehört der Bund und die Verheißung, die in Christus seinen Höhepunkt fand. Denn er ist Gott über allem, V.5.

Epheser 2:12 und 3:6, Die Nationen sind durch Christus zu Miterben der Verheißung geworden die Israel gegeben wurde.

Hebräer 11:8-10 Abraham, Isaak, Jacob sind zu Erben der Verheißung Gottes durch Glauben geworden.

Zusammenfassung und Weiterführung

  1. Der Bund Gottes mit Abraham ist ein Bund ohne Bedingungen — (1Mo 15) — von Gott einseitig geschlossen. Daher kann Israel als Nation (jedoch nicht als einzelne Person) nichts tun, das die verheißene Erfüllung letztendlich reduziert oder verhindert. Gott wird sie mit Israel erfüllen.
  2. Der Bund ist ein Bund der Beziehung – nicht der Rituale – (1Mo 17).

    Der Schlüssel zum Segen für Israel ist die geistliche Beziehung zwischen Gott und Israel. Eine vollkommene Beziehung ist Teil der Verheißung.

  3. Ein Bund der Verheißung und des Glaubens – nicht des Gesetzes (der Beschneidung)
  4. Ein nationaler Bund — geschlossen mit dem Volk Israel als Nation für immer.

 

[1]   d.h. als Orts- oder Gebietsangabe