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Pinchas

Torah: 4. Mose 25:10–30:1; Haftara: Jeremia 1:1–2:3, 1. Könige 18:46–19:21; Brit Chadascha:  Johannes 2:13–25; Galater 1:13–21

(Angaben nach „Die Tora nach der Übersetzung von Moses Mendelssohn“ und David Stern)
[Autor: Jurek Schulz]

Inhaltlich: Die Unterschiede der Zählungen
Halten wir fest: 39 Jahre sind zwischen der ersten und zweiten Zählung vergangen.

4. Mose 1:1 ff, 4. Mose 26:1 (jeweils nur Personen über 20 Jahre)

Name   4. Mose 1 4. Mose 26 Unterschied
Ruben (Reuwen) 46.500 43.730 -2.770
Simeon (Schim’on) 59.300 22.200 -37.100
Gad (Gad) 45.650 40.500 -5.150
Juda (Jehuda) 74.600 76.500 1.900
Isachar (Jissascher) 54.400 64.300 9.900
Sebulon (Sebulun) 57.400 60.500 3.100
Manasse (Menascheh) 32.200 52.700 20.500
Efraim (Efrajim) 40.500 32.500 -8.000
Benjamin (Binjamin) 35.400 45.600 10.200
Dan (Dan) 62.700 64.400 1.700
Asser (Ascher) 41.500 53.400 11.900
Naftali (Naftali) 53.400 45.400 -8.000
Levi* (Levi) 22.000 23.000 1.000
SUMME: 625.550 624.730 -820

*Der Priesterstamm Levi wurde für sich gezählt (4. Mo 3:39 und 26:62).

Israel, das Volk G’ttes stand bei Schittim, der letzten Wegstation zum verheißenen Land nach 39 Jahren Wüstenwanderung. Das Volk ließ sich von den Moabitern zu ihren „orgiastischen“ Opferfesten des „Baal-Peor“ einladen und dadurch zu sexueller Unzucht verführen.

Dies war der Plan Bileams (4. Mo 31:16), nachdem er das Volk nicht durch einen Fluch, wie Balak es wollte, vernichten konnte (4. Mo 23:1 ff).

Die moabitsche Gottheit war eigentlich die „Gottheit Kemor“ (4. Mo 21:29; Ri 11:24), doch die „rituelle Sexualität“ für „Baal-Peor“ war die alltägliche Praxis.

Pinhas (ein ägyptischer Name wie auch „Mose“) bedeutet: Der Nubier, der Schwarze, wurde später unter Josua eine der wichtigsten Persönlichkeiten Israels.

Er ist ein Enkel Aarons und sah, wie Simri (Familienfürst des Stammes Simeon) mit der midianitischen Frau Kosbi öffentlich am Tage in das Zelt verschwand. Sie war ebenfalls die Tochter des Familienfürsten Zurs.

Nun macht der Name „Kosbi“ insofern Probleme, weil er auch treulos oder wolllüstig bedeutet. Die „Kammer oder Zelt“, in das sie gingen, hieß „Qubba“ und ist heute noch die Bezeichnung für „Bordell“. War es ein öffentlich betriebenes Bordell, das die Aristokratie nutzte?

Pinhas war so entsetzt über die öffentliche Unmoral und den Götzendienst, dass er beide mit einem Speer gleichzeitig durchbohrte. Er wurde zu einem Eiferer für die Ehre G’ttes (4. Mo 25:11).

Durch seine Tat wurde der Zorn G’ttes vom Volk abgewendet. Pinchas wird im Text für seine Tat gelobt, da er damit die Plage, die ganz Israel dahinzuraffen drohte, abgewandt habe.

Zum Lohn erhält der Enkel des obersten Priesters die Zusage JHWHs:

„Siehe, ich gebe ihm meinen Bund des Friedens, der ihm und seinen Nachkommen das ewige Priestertum zuteilen soll, weil er für seinen G’tt geeifert und für die Kinder Israels Sühne geschafft hat.“

In diesem Zusammenhang ist zu erinnern an 2. Mose 32:24 ff, wo es um das goldene Kalb ging: „Da habe ich (Aaron) zu ihnen gesagt: Wer Goldschmuck trägt, soll ihn ablegen. Sie haben mir das Gold übergeben, ich habe es ins Feuer geworfen und herausgekommen ist dieses Kalb.“ Mose sah, wie verwildert das Volk war. Denn Aaron hatte es verwildern lassen, zur Schadenfreude ihrer Widersacher.

Mose trat an das Lagertor und sagte: Wer für den Herrn ist, her zu mir!

Da sammelten sich alle Leviten um ihn. Er sagte zu ihnen: So spricht der Herr, der G’tt Israels: Jeder lege sein Schwert an. Zieht durch das Lager von Tor zu Tor!

Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten.

Die Leviten taten, was Mose gesagt hatte.

Vom Volk fielen an jenem Tag gegen dreitausend Mann.

Da Israel sich immer wieder zum Abfall von seinem G’tt verführen ließ, spricht die Schrift an mehreren Stellen vom „Bann“, d. h. „mit dem Gericht G’ttes belegen“, 2. Mo 22:19: „Wer den Göttern opfert und nicht dem HERRN allein, der soll dem Bann verfallen.“

5. Mo 7:2: „ … und wenn sie der HERR, dein G’tt, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen schließen und keine Gnade gegen sie üben.“

5. Mo 7:26: „Darum sollst du solchen Gräuel nicht in dein Haus bringen, damit du nicht dem Bann verfällst wie jene, sondern du sollst Ekel und Abscheu davor haben; denn es steht unter dem Bann.“

Fast ein ganzes Kapitel in 5. Mose 20:1018 handelt von der Anwendung des Bannes.

Übrigens wird in 4. Mose 31 der „Bannvollzug“, die Rache an den Midianitern geschildert: Dort erscheint Pinchas als priesterlicher Begleiter des gesamten Heeres Israels von 12.000 Mann. Geschildert wird dann die Vollstreckung des „Banns“ an den Midianitern, da sie durch den Götzendienst mit Baal-Peor schuldig wurden und Israel verführten.

Bemerkenswert ist es, dass ursprünglich einmal ein gutes Verhältnis zwischen beiden Völkern bestand. Wir lernen daraus, dass wir Entscheidungen treffen müssen, wenn es um die G’ttesfragen geht. Für wen trete ich ein? Für was ereifere ich mich wirklich?

Die Frage ist für uns heute: Wie lernen wir zwischen einem guten Glaubenseifer und bösem Fanatismus zu unterscheiden? Worin liegt der hauchdünne Unterschied? Wie können wir heute für die „Ehre G’ttes“ eintreten? Herr, schenke uns Deine Weisheit.

Bei Jeschua sehen wir auch etwas Verblüffendes, das uns befremdet: die Tempelreinigung (Mk 11:15). „Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um.“

Später heißt es in Anlehnung an Psalm 69:10 „Seine Jünger gedachten daran, dass geschrieben steht: Der Eifer um mein Haus hat mich gefressen.“

Nun hat Jeschua nicht gemordet wie Pinhas, aber der Eifer verlangt die Trennung zwischen G’ttes Recht und Götzenfest! Wir dürfen heute keine Morde im Namen G’ttes zulassen, aber positiv Eiferer für die Sache G’ttes sein, sonst laufen wir Gefahr, in eine Lynchjustiz zu gelangen.