Beiträge suchen...

Beispiel 1 zur jüdischen Schriftauslegung

Der Einführung in die jüdische Schriftauslegung haben wir im letzten Video und Beitrag veröffentlicht. In diesem Beispiel wenden wir den PaRDeS-Schlüssel an und haben bereits das passende Video veröffentlicht. Weitere Beispiele werden in weiteren Clips folgen.Heute wollen wir uns mit 1. Mose 12:1-3 beschäftigen und setzen zunächst die Kenntnis der Bibel von 1. Mose voraus.

Gott hat in wunderbarer Weise die Welt geschaffen. Der Mensch, zunächst in Gemeinschaft mit Gott, hat sich von ihm gelöst, und so lesen wir vom Verlust des Paradieses, später von der Sintflut und wie durch Noah Gott einen Neuanfang mit den Menschen machte.

Doch dennoch tritt wachsende Rebellion des Menschen gegen Gott ein, so dass der autonome Mensch ohne Gott immer grausamer wurde.
So lesen wir bis Kap. 11 von einer Welt, in der die Menschheit in einer Abfolge von Hochmut, Stolz, Götzendienst, Mord, Diktatur, Ehebruch, Polygamie usw. lebte. Nur noch einzelne hielten sich zum Schöpfer des Himmels und der Erde. Mitten in dieser Situation beruft Gott einen Menschen, dass durch ihn und seine Nachkommen die Welt dennoch gesegnet werden soll.

So lesen wir den Text 1. Mose 12:1-3: nach der Elberfelder Übersetzung:
12:1 „Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde!”
12:2 “Und ich will dich zu einer großen Nation machen und will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein!”
12:3 “Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!“

1. Was ist der unmittelbare Wort-Sinn bzw. der einfache Schriftsinn?
Ich möchte im Folgenden die hebräischen Wörter stärker bei der Betrachtung des Wort-Sinns berücksichtigen.

Gott, der Herr spricht zu Abram „Gehe“.
Die hebräischen Wörter dafür, „Lech-Lecha“ bedeuten im eigentlichen Sinne: Gehe für dich bzw. gehe um deinetwillen aus dem Land, in dem du grade bist, in ein Land, das ich dir zeigen werde.
Das zugrunde liegende Wort für „zeigen“ beinhaltet auch das Wort für „sehen“. Er wird das neue Land tatsächlich sehen.

Im zweiten Vers heißt es, er wird zu einer großen Nation werden, eigentlich für ihn oder durch ihn wird eine große Nation angefertigt bzw. bereitet und eingesetzt werden.

Im dritten Vers haben wir gelesen, Abram wird gesegnet sein. Das Wort steht auch für preisen, d. h. Abram wird gepriesen sein. Und es wird geschehen und eintreten, dass er ein Segen ist.
Im weiteren Verlauf des dritten Verses lese ich eigentlich den Text folgendermaßen: Gesegnet ist, wer dich segnet, wer dich als verflucht bezeichnet, ist selbst mit einem Fluch belegt. Durch dich wird Segen auf alle Völker der Erde kommen.

2. Was ist der Bild-Sinn bzw. der angedeutete Schriftsinn?

Das allein ist schon revolutionierend, Gott offenbart sich dem Abram. Inmitten der vorangegangenen Genealogie des Todes beginnt Gott mit Abram ein neues Kapitel, indem er sich ihm offenbart.
Das Ziel des Handelns Gottes ist, erneut einen Segen auf die Menschheitsfamilie der Erde zu stiften. Des Weiteren entnehmen wir dem Text, dass durch Abram eine große Nation entstehen soll, jedoch in einem neuen Land, das Gott ihn sehen lässt. Wer jedoch dieses Handeln Gottes nicht als Segen begreift, ist selbst mit einem Fluch als Folge der Ablehnung des Handelns Gottes bestraft.

3. Was ist der Begriffs-Sinn bzw. der belehrende Schriftsinn in unserem Abschnitt?

In drei Stufen wird das Heilshandeln Gottes in unserem Abschnitt entfaltet:
a. Abram, (der Vater ist erhaben), der später in Abraham (Vater vieler Völker) umbenannt wird, wird zahlreiche Nachkommen haben, die zu einer großen Nation werden.
b. Durch diese Nation (die später Israel hieß) wird nicht nur Segen empfangen, sondern sie werden auch ein verheißenes Land empfangen. (12:1-2).
c. Der Segen, den das Volk Abrahams von Gott empfängt, bleibt nicht allein auf Israel, sondern durch Israel sollen auch alle anderen Nationen gesegnet werden.

Eine Warnung ist dem Text zu entnehmen, dass wer diesen Segen als Ausdruck des Handelns Gottes ablehnt, der verflucht sich selbst.

4. Was ist der Geheim-Sinn bzw. die geheime, nicht sofort erkennbare Bedeutung unseres Abschnitts?

Gott greift zum ersten Mal nach langer Zeit wieder in die Geschicke der Menschheit ein. Zum ersten Mal seit den Tagen Noahs wird wieder von einem Segen gesprochen. Damit beginnt Gott der Herr, sein Heilshandeln wieder aufzunehmen, das er seit den Tagen des Paradieses in 1. Mose 3:15 versprochen hat. Das Schweigen Gottes hat ein Ende und er beginnt wieder mit der Wiederherstellung seiner Beziehung und Gemeinschaft mit den Menschen.

Vom Text her ist es auffallend, dass für Völker, Geschlechter und Nationen zwei verschiedene hebräische Begriffe verwendet werden. Da ist das Wort Gojim, das für Völker oder Nationen wiedergegeben wird, zum anderen das Wort Mischp´chót, (von Mischpachah) für Geschlechter.

Doch eigentlich steht dieses Wort für die Familie. Kann dadurch impliziert werden, dass die Tage kommen, wo die Menschen wie eine große Familie werden? Damit hätten wir folgenden Rahmen: Der außerordentliche Segen Gottes durch Abraham, der sich in der Welt ausbreitet, bewirkt am Ende, spätestens in der messianischen Zeit, dass die Menschheit zu einer Familie wird durch die Gemeinschaft mit ihrem Herrn in der Mitte.

Dieser Plan Gottes ist eigentliches Thema der ganzen Bibel.

Wir wollen Sie ermutigen mit unseren weiteren kleinen Video-Clips neue Entdeckungen im Umgang mit dem Wort Gottes zu machen durch Anwendung des PaRDeS-Schlüssels.

Wir wünschen Ihnen ein herzliches Schalom

 

Den passenden Videobeitrag finden Sie unter https://mstudien.de/themen/videos/ oder direkt auf unserem YouTube-Kanal.

 

Schreibe einen Kommentar